Samstag, 13. November 2010

Schweizer im Konzert

Die Saison hat gut begonnen, mit zwei modernen Opern, in Basel "Maldoror" von Philipp Maintz, in Bern "Wut" von Andrea Scattarzini, dann die basel sinfonietta mit ihrem chinesischen Programm "Im Jahr des Tiegers", aber der Höhepunkt bisher war das Konzert "Sacrificium" mit Cecilia Bartoli, in welchem sie Kastratenarien sang, begleitet vom Kammerorchester Basel.
Immer wieder fällt mir auf, dass sich Schweizer an diesen Orten der gesellschaftlichen Begegnung anders verhalten, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Entgegen dem gängigen Vorurteil vom zurückhaltenden und schüchternen Schweizer, klatschen sie gern sehr ausgiebig und begeistert, was bei so aussergewöhnlich beeindruckenden Abenden wie mit der Bartoli schnell in mehrfache geschlossene standing ovations vom gesamten Publikum mündet.
Viel interessanter finde ich aber die Tatsache, dass der sonst so höfliche Schweizer fast immer gegen eine elementare Höflichkeitsregel verstösst, wenn er später zu seinem Sitzplatz geht, als seine weiter aussen sitzenden Sitznachbarn. Schweizer drehen den aufstehenden Personen in ihrer Reihe stehts die Rückseite zu. Sie laufen mit dem Gesicht zur Bühne in die Reihe. In Deutschland gilt das als unhöflich, schlecht erzogen und kulturlos. Hier ist es normal. In seltenen Fällen wird sich für das Aufstehen bedankt, denn da der Schweizer nicht sieht, an wem er vorbeizieht, kann das gleich entfallen. Auch kann die Entschuldigung gespart werden für versehentliche Tritte und Stösse, die um so häufiger erfolgen, da der Schweizer ja nicht dorthin schaut, wo die (menschlichen) Hindernisse sind. Er kehrt Ihnen den Rücken zu und schiebt sich in die Reihe. Auch wenn es hier Konsens zu sein scheint, mich stört es jedesmal und ich empfinde es als unhöflich, obwohl dieser Trend hier alle zu betreffen scheint, ob gebildet oder ungebildet, alt oder jung...
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