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Helvetismen

Montag, 21. September 2009

Helvetismen - Adjektive Nachtrag

Wenn man in der Schweiz eine Person beschreiben will, so taucht als positive Beschreibung häufig das Adjektiv uffgställt, oder aufgestellt, auf. In Annoncen wird nach uffgställti Lüt für den Ausgang gesucht, in Parnterschaftsanzeigen beschreibt man sich als aufgestellt und wenn die Basler Führungsdame sich von einer Gruppe verabschiedet, die ihr sehr viel Vergniege gemacht hat, dann bedankt sie sich bei dere uffgställti Gruppe.
Vom Wortstamm her ist das nicht erläuterbar. Ich hatte als erstes die Assoziation, es handle sich um ein Synonym für bodenständig, was in der Schweiz ja eine sehr hoch im Kurs stehende Eigenschaft ist. Vor allem, weil man bei wohlhabenden Leuten auch gerne sagt, sie seien finanziell gut aufgestellt. Es meint aber meistens eher etwas wie locker oder cool, in jedem Falle sympatisch und nett. Und das gilt in der Jugendsprache wie im Zeitungs(schweizer)deutsch.

Mittwoch, 16. September 2009

Helvetismen - Substantive Nachtrag

Am französischen Bahnhof in Basel gab es gestern Pariserli wahlweise mit Käse oder Wurst. Nach meinem neugierigen Blick auf die Auslagen konnte ich feststellen, daß es sich um völlig jugendfreie Minibaguettes handelte... Naja, die Croissants heißen hier ja auch Gipfeli und eine Unordnung oder Chaos wird Puff genannt. Anscheinend haben die Schweizer einen viel unverkrampfteren Umgang mit zweideutigen Worten. Nach eigenen Angaben sind sie auch keine Meister der Ironie, also Obacht, damit es nicht zu peinlichen Situationen kommt!
Gruezi mitanand!

Montag, 13. Juli 2009

Helvetismen - Adverben Nachtrag

Wenn in der Zietig stoht, daß die Karriere von jemandem harzig läuft, dann ist nicht etwas das Lieblingsadverb der Schweizer, nämlich herzig, so geschrieben, wie es hier gesprochen wird, nein, dann heißt das so viel, wie die Karriere läuft zäh - klebrig und harzig eben.

Montag, 25. Mai 2009

Helvetismen - Substantive Nachtrag

Wenn im Schweizer Radio ein Überfall in einem Zug gemeldet wird und die Polizei angibt, sie suche Züge, fehlen keine Waggons, sondern Augenzeugen des Geschehens.

Mittwoch, 3. September 2008

Helvetismen 3 - Anrede

Wenn man in der Schweiz in ein Geschäft geht grüßt man in jedem Falle, nicht nur die Verkäufer, möglichst auch alle anderen anwesenden Kunden. Da Grüezi (als echter Diphton ausgesprochen, also Grü-ezi) für uns Deutsche sehr schwierig und regional sehr verschieden ausgeprägt ist (z.B. Grüesech in Bern u.ä.m.), empfehle ich Guete Dag (Achtung ebenfalls Diphton, also Gu-ete), bzw. je nach Tageszeit Guete Morge (Achtung: nur bis maximal 9 Uhr verwenden) oder Guete Obig (kann man schon locker ab 16 Uhr einsetzen). Hallo, obwohl es meine Standartbegrüßung ist, kann als sehr unhöflich empfunden werden, da man nur Leute, die man duzt so begrüßt. Hingegen empfinde ich es als Kunde immer als sehr angenehm, wenn die Verkäufer hier den Pluralis Majestatis verwenden. Fragen wie "Kann ich Euch helfen?" statt "Kann ich Ihnen helfen?" sowie "Ist es Euch so recht?" obwohl man ganz allein angesprochen ist, geben doch ein recht exclusives Einkaufsgefühl, ganz à la "Der Kunde ist König."

Donnerstag, 24. Januar 2008

Helvetismen - Substantive Nachtrag

Wenn die nette Berner Kunstgeschichtsstudentin an unserer Rezeption und die Führungsdame aus Basel sich einig sind, sie hätten einen Puff dahei (wirklich ohne m), dann meinen sie damit nicht das, was ich verdorbener Berliner Jung denke, sondern die zur Zeit bei Ihnen zuhause herrschende Unordnung.

Montag, 17. Dezember 2007

Helvetismen - Substantive Nachtrag

Ich kann manche Zeitungen wirklch nur mit Mühe ertragen, aber die Sonntagszeitung in der Schweiz empfinde ich noch als guten Ersatz für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die ich in Berlin hatte. Gestern habe ich nun mit der Zeitung ein Schokoladenherzchen im Briefkasten mit Weihnachtsgrüßen von meiner Zeitungsverträgerin.

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Helvetismen 2 - Substantive

Ich bemerke, daß ich immer weniger bemerke und Gefahr laufe, dieser ebenso sprachwissenschaftlich interessanten wie auch unterhaltsamen Kategorie in meinem Blog kaum noch etwas hinzufügen zu können. Ein paar Helvetismen sind ja schon in meinen Sprachgebrauch übergegangen. Sie tummeln sich in meinem überaus gewählten und dialektfreien Hochdeutsch als liebenswerte Eindringlinge und verschleiern mehr und mehr ihre Herkunft.

Das auffälligste Problem bei den Substantiven ist sicherlich die Zuordnung des Geschlechtes und der somit zu wählende Artikel. Mit großer Freude wird alles in der Schweiz versächlicht wie:
das e-mail
das Tram
Es gibt aber auch umgekehrte Fälle, wie
der Marzipan oder
die Nutella (wird erläutert als die Nuß-Nougat-Creme...)
Problematischer wird die Vergabe von Bezeichnungen mit (für Norddeutsche) nicht nachvollziehbaren Wortstämmen, wie:
Velo (Fahrrad, aber das hat man echt schnell drauf)
Schaft (Kleiderschrank)
Tumbler (Trockner)
Bebbi-Säck (ein blauer Sack mit dem Logo der Stadt Basel, in den man seinen Hausmüll füllt und an bestimmten Tagen einfach vor die Tür stellt)

Oder die Verwendung von im Deutschen anders gebrauchten Wörtern:
Estrich (nicht die Ausgleichsmasse für einen Fußboden sondern der Dachboden)
Benz (nicht das Auto sondern ein männlicher Vorname oder aber in Bern auch ein Schaf! Eine tolle Parallele!)

Einige Worte klingen wirklich schön, wie
Nachtessen (bin jetzt paarmal statt zum Abendessen oder Abendbrot zu sowas eingeladen worden und finde, es klingt irgendwie romantischer, intimer),
Lehrtochter (eine Auszubildende, anscheinend mit viel persönlicher Fürsorge).

Verständigungsprobleme gibt es anfänglich auch bei den Wochentagen:
Mänti
Zischdig
Mittwuch
Dunschdig
Frytig
Samschtig
Sunntig
oder den Zahlen.

Viele Vokabeln sind auch dem Französische entlehnt und einige kenne ich auch noch von meinen Großeltern.
Trottoir (für Bürgersteig)
Duvet (für das Deckbett - wer ein solches benutzt schläft nordisch, im Gegensatz zu jenen, die sich zwischen zwei straff gespannte Laken pressen wie in Italien oder Frankreich)
Billet kennt wohl jeder.
Merci und excusée nicht zu vergessen und dann nicht französisch aussprechen, sondern immer schön auf der ersten Silbe betonen, wir sind hier schließlich in der Schweiz!

Besonders wirr wird es bei Lebensmitteln. Das kennen wir ja schon innerhalb Deutschlands bei Brötchen, Wienern oder Pfannkuchen. Die Helvetismen beziehen sich hier aber nicht nur auf regionale Spezialitäten, man hat sich offenbar auch bemüht, alle Gemüsesorten umzubenennen.
Fragt man nach Peperoni bekommt man z.B. Paprika. Will man Peperoni, muß man nach Peperochini fragen. Rote Beete wird hier Rande genannt, die Kartoffel Erdapfel oder Krumbeere, Erdbeeren sind Fraise wie überhaupt alle Beeren irgendwie anders heißen und man sie lieber irgendwo kaufen sollte, wo es Selbstbedienung gibt. Hühnchen ist grundsätzlich nur Poulet, die Roulade ist ein Fleischvogel und wenn das dann mit Stock auf der Speisekarte auftaucht, ist Kartoffelstock, also Kartoffelpürrée gemeint. Eine Stange ist ein Bier, ein Panasch oder Panaschée ein Alsterwasser.

Aber auch die Schweizer machen sich mitunter lustig über deutsche Vokabeln wie z.B. Führerschein. Dem in der Schweiz umgangssprachlich Fahrausweis genannten Papier ist im Deutschen (nach Meinung der Schweizer) die Vorliebe für Führer anstelle von Lenkern anzumerken. Dabei ist für mich ein Fahrausweis eher ein Billet für ein Tram und außerdem: Offiziell heißt die Fahrerlaubnis/Lenkerberechtigung hier Führerausweis. Ha!

Mittwoch, 7. November 2007

Helvetismen 1 - Verben

Helvetismen nennen die Schweizer (Staatsbürger der Conföderatio Helvetica) all die Wörter, die weder schweizer Dialektwörter noch nach deutschen Maßstäben hochdeutsche Wörter sind. Das sind also Worte, die nur im schweizer Hochdeutsch vorkommen. Da gibt es sehr nette. Heute mal ein paar mehr oder weniger bekannte Verben.

Eine große Gruppe der schweizer Verben ist z.B. aus nicht originär deutschen Worten mit Hilfe der Endung -ieren geformt. Im Deutschen kennen wir dramatisieren oder verbalisieren. In der Schweiz gibt es eine noch reichere Auswahl.
grillieren (grillen)
parkieren (parken)
hospitalisieren (ins Krankenhaus einweisen)
recyclieren (recyclen)
pressieren (hetzen, unter Druck setzen)

Eine andere Gruppe nutzt einfach eine andere Vorsilbe, um sich in einen Helvetismus zu wandeln, nicht ohne dabei Mißverständnisse in Kauf zu nehmen.
verzählen (nicht etwa falsch zählen sondern erzählen)
verzeigen (anzeigen, z.B. Diebe)

Oder man verändert den Wortstamm bis zur Unkenntlichkeit und streicht Vorsilben und ähnliches einfach weg oder macht gleich eine Wortgruppe daraus.
kehren (nicht fegen sondern wenden - umkehren)
schaffen (nicht hinkriegen, gerade noch erreichen sondern arbeiten)
aufbiegen(nicht etwas verbiegen sondern aufstapeln)
zügeln (nicht bahnfahren sondern umziehen)
versorgen, z.B. Geschirr (nicht füttern sondern wegräumen)
in den Ausgang gehen (ausgehen)

Fortsetzung folgt.

Berlin, Basel und ich

Ein Berliner in der Fremde

So sieht's aus!

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