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Schweizer Leben

Samstag, 31. Oktober 2009

Wahlgänge

Über meine viele Arbeit momentan hab ich vergessen, ein bedeutsames Ereignis hier zu vermelden. Bedeutsam insofern, als dass es zum Teil für deutsche Staatsbürger unverständlich ist. Während die Deutschen am 27. September eine Wahl entschieden, nach welcher eine ostdeutsche Frau zur Bundeskanzlerin, ein Homosexueller zum Außenminister und ein Rollstuhlfahrer zum Finanzminister wurden (was eine nicht zu verachtende Progressivität zeigt), während also die Deutschen zur Wahlurne schritten, taten dies auch die Schweizer. Die vierteljährliche Volksabstimmung behandelte unter anderem die Mehrwertsteuer. Die Schweizer habe an diesem Tag per Abstimmung die Mehrwertsteuer für den Zeitraum 2011 bis 2017 von bisher 7,6% auf 8% angehoben, um die Finanzierung der Invalidenrente zu sichern. Sie haben sich selbst aus freien Stücken für einen höheren Steuersatz entschieden!
Würden Deutsche je so vernünftig entscheiden?

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Goldener Haushalt

Angelegentlich meines Referates in einem befreundeten Museum gestern in Zürich habe ich für meinen momentan wegen übermäßiger Arbeit völlig vernachlässigten Haushalt ein Geschenk erhalten.
Die Sammlungsleiterin dort kommt aus Hamburg und in einem unserer ersten Gespräche schimpften wir gemeinsam über den Mangel an Kartoffeln auf schweizerischen Speisekarten.
Jetzt nenne ich ein echtes Designerstück mein eigen, formschön und praktisch, ein Klassiker seit 1948: Der schweizer Kartoffelschäler namens REX. Aber der meine ist vergoldet!

Dienstag, 8. September 2009

Die Schweiz zerschlagen

Ich weiß nicht, wie viel man in Deutschland davon mitbekommt, aber in der Schweiz geht es zur Zeit hoch her. Letzte Woche kam es zum bisherigen Höhepunkt der schon über ein Jahr andauernden Libyenkrise. Es war bekannt geworden, daß der Libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi bei der UNO den offiziellen Antrag gestellt hatte, die Schweiz unter ihren Nachbarstaaten Deutschland, Frankreich und Italien aufzuteilen. Eine unglaubliche, nahezu satirische Forderung in meinen Augen. Die UNO konnte anhand ihrer Statuten, die ein derartiges Vorgehen gegen einen Mitgliedsstaat ausschließen, eine offizielle Abstimmung über diesen Antrag abwenden.
Aber da werden die Urängste der Schweizer schwer getroffen, als kleines sprachlich zersplittertes Land umringt von größeren Nationalstaaten ist das wohl von jeher eines der Schreckensszenarien.
Das Ganze hatte natürlich einen Vorlauf, als im Juni 2008 Gaddafis Sohn Hannibal mit seiner Verlobten in Genf weilte und bei der dortigen Polizei ein Hilferuf einging, daß die beiden mehrere Angestellte verprügelt hätten. Bei ähnlichen Delikten in Paris und Spanien haben die Leibwächter von Hannibal die jeweiligen Polizeitruppen abwehren können, in Genf siegte aber die dortige Polizei, befreite die Opfer und inhaftierte Hannibal.
Darauf hin drehte Libyen den Ölhahn für die Schweiz zu, ließ Flüge aus der Eidgenossenschaft nicht mehr landen, entzog schweizer Firmen in Libyen die Konzessionen und nahm zwei schweizer Geschäftsleute fest, die bis heute nicht ausreisen durften.
Ab 15. September hat Libyen übrigens die Leitung der UNO inne.
Hier hat die gesamte Affäre wieder den Zusammenhalt zwischen den bünzligen Deutschschweizern, den alternativen Romands und den anarchistischen Tessinern gestärkt.

Montag, 24. August 2009

Völlig klar!

Wenn ich mich im Winter auch ab und an über Oleander, Palmen und sogar Bananenstauden als feste Pflanzungen (nicht in Kübeln!)in den Vorgärten wundere, so ist mir bei diesen Temperaturen momentan sehr wohl klar, daß diese Pflanzungen eigentlich ganz naheliegend sind. Die Schweiz hat nicht rund ums Jahr mit Schneemassen zu kämpfen, im Gegenteil: Es gibt äußerst heiße Regionen. Basel ist eine davon.
Die Saisoneröffnung der Basler Symphoniker am Sonntag mit einem Konzert im Stadtcasino (so bezeichnen Basel und andere schweizer Städte ihren Konzertsaal) geriet da zu einer reinen Schwitzkur.

Freitag, 10. Juli 2009

Naschigkeiten

Die Luxemburgerli des Monats sind Erdbeer-Rhabarber, die in einer preisgekrönten Verpackung angebotenen Truffes du Jour sind diesen Monat mit Rosenwasser aromatisiert. Beides herrlich erfrischend und bei Sprüngli erhältlich... Hmmm

Montag, 29. Juni 2009

phuuh

Heute morgen die Neue Züricher Zeitung aufgeschlagen mit dem Wetterbericht für die kommende Woche: Sonne ohne Ende und knapp unter 30°C für die Nordwestschweiz! Da Basel immer noch eis biezeli mär heiß hat, wird's vielleicht bald was mit dem Rheinschwimmen!

Freitag, 26. Juni 2009

Deutsche in der Schweiz

Ohne dass ich dieses Thema all zu sehr strapazieren will, habe ich hier einen schönen Artikel aus dem Berliner Tagesspiegel, den die in Portugal lebende Freundin gefunden hat. Es geht um Integrationskurse für Deutsche, die in der Schweiz leben. Und wie Ihr vielleicht schon bemerkt habt, ich glaube bei aller Albernheit ist es eben doch notwendig, einige grundsätzliche Dinge zu klären, damit nicht jeder die gleichen unangenehmen Erfahrungen macht... Nachzulesen hier.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Schmutzwäsche

Da war ich nun immer stolz, daß ich entgegen der Schweizer Normalität eine eigene Waschmaschine in meiner Wohnung habe. Ich muß mich nicht in einen Waschplan eintragen oder darunter leiden, wie andere Leute die Waschküche zurücklassen und mich heimlich nachts hinunterstehlen und entgegen der Hausordnung zur Schlafenszeit waschen, damit ich überhaupt mal wieder was sauberes anziehen kann. Nein, jeder, der in der Schweiz lebt und in meine Wohnung kommt sieht es gleich, es gibt eine Waschmaschine. Regelmäßig werde ich beneidet. Von diesen Extrafreuden muß ich mich nun verabschieden. Das Ding ist hin. Futsch. Einfach so. Pünktlich zum nahenden Besuchsmarathon. Dabei steht in der Garage meiner Eltern meine tadellose neue Maschine, in 900 km Entfernung.
Also habe ich gleich mal die Gemeinschaftsmaschine getestet heute. Sie ist wunderbar, viel größer als die defekte und schleudert auch besser. Zudem steht mir ein Trockner zur Verfügung!
Vielleicht lasse ich mich durch diese Qualitäten ja doch noch über den Verlust der typisch deutschen Individualität beim Waschen hinwegtrösten.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Shake it baby!

Was für eine wunderbare Überraschung: Da bin ich gerade eben erst aus Berlin nach Basel zurückgekehrt und werde in meiner ersten Nacht um 3.38 Uhr mit einem Erdbeben begrüßt!
Nur, bemerke ich nach der Großstadt und der Zugfahrt in seeligen Träumen nichts davon! Mein zweites Erdbeben und sogar eines der Stärke 4,5, so daß Kollegen meinen, sie müßten das Haus verlassen und nicht mehr einschlafen können, aber ich schlafe tief und fest...
Mein erstes Erdbeben hatte ich während einer Busfahrt, so daß alle mich trösten mußten und sagten, daß man Beben während eigener Bewegung kaum merkt, aber wenn ich mal sitzen oder im Bett liegen würde... Nun, ich glaube ja noch immer, daß das eine großangelegte Veralberung ist, aber selbst die Medien beteiligen sich an diesen Späßen mit mir. Link

Sonntag, 8. Februar 2009

Und die Raben kommen doch

Die Schweizer haben mal wieder abgestimmt. Diesmal wieder ein paar spannende Themen dabei, wie zum Beispiel eine Wegweisungsinitiative (weg wie fort, nicht weg wie Pfad übrigens), in der es darum ging, daß den Gesetzeshütern erlaubt werden solle, verdächtige Elemente (Gewalttäter, Penner, Demonstranten) ohne vorgefallene Straftat eines öffentlichen Ortes verweisen zu können. Mit weit über 70% haben die Basler zugestimmt! aber sie haben ja auch freiwillig vor einigen Jahren eine Sperrstunde eingeführt...
Außerdem gab es eine Initiative "Demokratie vergrößern", das Wahlrecht ab 16 Jahre sollte ermöglicht werden. Auch hier hat die Schweiz wie erwartet entschieden: mit einem "Nein".
Am spannendsten für mich war die Abstimmung über die Personenfreizügigkeit, will heißen, daß EU-Bürger in der Schweiz arbeiten und wohnen dürfen, wie man es inzwischen auch innerhalb der gesamten EU kann. Dies wurde im Vorfeld heiß diskutiert und das Stimmvolk mit Plakaten und Postwurfsendungen umworben. Die weißen Schäfchen vom letzten Jahr, die ein schwarzes Schaf von der schweizer Landkarte schubsen, wurden durch Raben ersetzt, die sich von außen kommend auf die kleine Schweiz stürzen.
Trotz derartiger Angstkampagnen haben die Schweizer mit knapp 60% für die Weiterführung der bilateralen Verträge mit der EU gestimmt. Besonders positiv die westschweizer Romands und die beiden Basel (Basel Land und Basel Stadt), die sich gerne mal wie die frankophonen Schweizer verhalten und eben kein typisches deutschschweizer Verhalten zeigen. Vor allem die Tessiner und ein paar deutsche Landkantonen haben gegen diese Initiative gestimmt. Ich bin aber doch recht froh, in Basel nur von 30% der Bevölkerung nicht gern gesehen zu werden...

Berlin, Basel und ich

Ein Berliner in der Fremde

So sieht's aus!

Aktuelles Wetter in Basel:


Temperatur: 13 C
UV Index: 0
Luftfeuchte: 82 %
Sichtweite: 10.0 km
Luftdruck: 1019.0 mb
Windstärke: 21 km/h

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