Montag, 17. Januar 2011

Behördlicher Fahrradklau

Das wautschenschte Velo ist wieder einmal gerettet. Ich habe es wieder und in meiner Wohnung in Sicherheit gebracht.
Nach einem Anruf bei der Basler Polizei verwies man mich an die Fahrzeugaufbewahrungsstelle. Im Telefonat konnte ich herausfinden, dass mein Fahrrad von der Basler Kantonspolizei von seinem Standort entfernt wurde. Also bin ich heute zum Zeughaus gefahren, dessen Öffnungszeiten wochentags von 8-12 und 14-16 Uhr liegen, um mein geliebtes Rad dort abzuholen.
Übrigens heißt das Gebäude nicht zum Spaß Zeughaus, dort werden tatsächlich Waffen aufbewahrt und man diskutiert immer wieder, ob der wehrpflichtige schweizer Mann seine Waffen nicht lieber dort zur Aufbewahrung geben sollte, als daß jeder männliche Schweizer im wehrdienstpflichtigen Alter eine Waffe zuhause im Schrank hat. Im Foyer des Basler Zeughauses steht dekorativ und respekteinflößend eine Kanone...
Dort angekommen, konnte ich mein Rad identifizieren und eine Gebühr zahlen, die sich aus 35,- CHF aus "Sicherstellung" (Abschneiden und den Transport zum Zeughaus) und der "Standgebühr" (Tagespauschale von 3,- CHF pro Tag im Zeughaus) zusammensetzte. Sehr schön, da zahle ich also für den Diebstahl meines Rades nachträglich eine Gebühr und ohne zu wissen wo mein Rad sich überhaupt befindet eine Pauschale für jeden Tag, den es im Zeughaus steht. Dort übrigens auch nur im Hof, also nicht sonderlich komfortabel...

Und warum eigentlich?
Folgendes hatte ich falsch gemacht:
1. hatte ich mein Rad an öffentlichem Eigentum abgestellt (weil es mir schon zweimal gestohlen wurde, habe ich es an einem Verkehrsschild angeschlossen),
2. war meine Vignette abgelaufen (meine Fahradvignette war von 2010, noch nicht 2011, weil die Polizei empfielt, Vignetten erst im April zu wechseln, da sie sonst auch gern geklaut werden)
3. war eine Beschwerde aus der Bevölkerung eingegangen.

Wo lebe ich eigentlich? Wer hat Zeit und macht sich die Mühe, sich über ein fälschlich parkiertes Velo zu beschweren?

Was könnte ich (als Kunstaktion getarnt) an diesem Verkehrsschild sonst noch anschließen? Irgend etwas sehr schweres und sperriges müßte es sein. Ein Betonblumenkübel? Ein LKW? Eine Kuh? Aber nein, ein Tierquäler will ich nicht sein. Bei Menschen überdenke ich meine bisherige freundliche Einstellung noch einmal...
510 mal gelesen

Berlin, Basel und ich

Ein Berliner in der Fremde

Aktuelle Beiträge

Mönch in der Zelle
Oh wie habe ich mich gefreut, den Effizienzdruck im...
Nachtreise - 16. Sep, 08:38
Rutschpartie am Hönggerberg
Was soll ich sagen: Ich bin glücklich! Das Wetter in...
Nachtreise - 16. Sep, 07:28
Leben im Zug
Als Berliner kann ich pendeln grundsätzlich ersteinmal...
Nachtreise - 15. Sep, 03:01
Leben vor dem Zug
Wenn man täglich eine lange Strecke pendelt, dann stellen...
Nachtreise - 16. Mai, 01:08
Freitags TGV
Die Schweiz ist ein Pendlerland. Ausserdem arbeiten...
Nachtreise - 15. Mai, 13:42

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Links

Suche

 

Status

Online seit 6427 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 16. Sep, 08:38

Credits


Berlin - Basel
Grenzgeschichten
Gute Gründe zu gehen
Helvetismen
Orgakram emotional betrachtet
Pendlergeschichten
Schweizer Leben
Tage wie dieser
WG-Leben
Zwischenleben
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren