Dürfen Frauen Demokratie?
Heute morgen im Bus. Wir sind vier, darunter drei Schweizer und ich Deutscher. Eine der Schweizerinnen erklärt, daß heute ein ganz besonderer Tag ist, denn heute vor 40 Jahren ist das Frauenwahlrecht eingeführt worden. Also genaugenommen am 16. März im Jahr 1971.
Schlimm genug eigentlich, doch mir fällt ein, daß ich einstmals gelesen habe, daß der letzte Kanton, Appenzell-Innerrhoden, Anfang der 90er Jahre und entgegen der Schweizer Verfassung gezwungen wurde, das Frauenwahlrecht einzuführen.
Die Schweizer bejahen das, denken aber lieber an den Tag, an dem in der ersten eidgenössischen Abstimmung insgesamt für das Frauenstimmrecht entschieden wurde. Damals 1971 war das Frauenwahlrecht in ganz Europa durchgesetzt (Deutschland 1918, Türkei 1934). Die Schweiz und Lichtenstein waren die einzigen europäischen Länder, die zu diesem Zeitpunkt kein Frauenstimmrecht hatten. Die Abstimmung 1971 fiel in den einzelnen Kantonen sehr unterschiedlich aus. Wie immer gab es ein West-Ost-Gefälle. Je weiter westlich um so positiver die Ergebnisse (Basel bei über 90% damals) je weiter östlich, um so weniger Zustimmung, in Appenzell-Innerrhoden z.B. unter 20 % dafür. So dauerte es weitere 20 Jahre, bis Kanton für Kanton in der gesamten Schweiz das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Immerhin mußten die allein stimmberechtigten Männer mehrheitlich dafür stimmen, was aber in einigen Kantonen lange auf sich warten ließ. Zum Teil so lange, daß der Bundesrat auf Drängen der Menschenrechtsorganisationen den letzten Kanton dazu zwingen mußte, das Wahlrecht für Frauen einzuführen. Das Dilemma war, daß die eidgenössische Verfassung inzwischen zugunsten des Frauenstimmrechts geändert worden war, daß aber gleichzeitig der Bund den Kantonen laut Verfassung auch in diesen Dingen keine Vorschriften machen kann, es muss eine demokratische Entscheidung vorliegen. Man nahm im November 1990 den geringeren Verfassungsbruch in Kauf und führte das Frauenwahlrecht nun auch im letzten Kanton ein. Vor 21 Jahren. Sechs Jahre nachdem Lichtenstein 1984 als letztes europäisches Land das Frauenstimmrecht eingeführt hatte.
Selbstverständlich und von allen gutgeheißen ist es aber deshalb noch nicht. Immer wieder gibt es merkwürdige Äußerungen, die uns Deutschen das Gefühl geben, vor unseren eigenen Großeltern zu leben.
Schlimm genug eigentlich, doch mir fällt ein, daß ich einstmals gelesen habe, daß der letzte Kanton, Appenzell-Innerrhoden, Anfang der 90er Jahre und entgegen der Schweizer Verfassung gezwungen wurde, das Frauenwahlrecht einzuführen.
Die Schweizer bejahen das, denken aber lieber an den Tag, an dem in der ersten eidgenössischen Abstimmung insgesamt für das Frauenstimmrecht entschieden wurde. Damals 1971 war das Frauenwahlrecht in ganz Europa durchgesetzt (Deutschland 1918, Türkei 1934). Die Schweiz und Lichtenstein waren die einzigen europäischen Länder, die zu diesem Zeitpunkt kein Frauenstimmrecht hatten. Die Abstimmung 1971 fiel in den einzelnen Kantonen sehr unterschiedlich aus. Wie immer gab es ein West-Ost-Gefälle. Je weiter westlich um so positiver die Ergebnisse (Basel bei über 90% damals) je weiter östlich, um so weniger Zustimmung, in Appenzell-Innerrhoden z.B. unter 20 % dafür. So dauerte es weitere 20 Jahre, bis Kanton für Kanton in der gesamten Schweiz das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Immerhin mußten die allein stimmberechtigten Männer mehrheitlich dafür stimmen, was aber in einigen Kantonen lange auf sich warten ließ. Zum Teil so lange, daß der Bundesrat auf Drängen der Menschenrechtsorganisationen den letzten Kanton dazu zwingen mußte, das Wahlrecht für Frauen einzuführen. Das Dilemma war, daß die eidgenössische Verfassung inzwischen zugunsten des Frauenstimmrechts geändert worden war, daß aber gleichzeitig der Bund den Kantonen laut Verfassung auch in diesen Dingen keine Vorschriften machen kann, es muss eine demokratische Entscheidung vorliegen. Man nahm im November 1990 den geringeren Verfassungsbruch in Kauf und führte das Frauenwahlrecht nun auch im letzten Kanton ein. Vor 21 Jahren. Sechs Jahre nachdem Lichtenstein 1984 als letztes europäisches Land das Frauenstimmrecht eingeführt hatte.
Selbstverständlich und von allen gutgeheißen ist es aber deshalb noch nicht. Immer wieder gibt es merkwürdige Äußerungen, die uns Deutschen das Gefühl geben, vor unseren eigenen Großeltern zu leben.
Nachtreise - 9. Feb, 21:56
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