Sonntag, 11. Oktober 2009

Tourist

Die letzten zwei Tage habe ich anstatt in meine angestamten berliner Cafés und Kneipen zu gehen und meinem Leben hier nachzutrauern viel Zeit in zeitgenössischer Architektur verbracht.
Ein Freund ermöglichte mir ein Mittagessen und eine Tour durch die Gebäude des Bundestages (Lüders-Haus, Jakob-Kaiser-Haus, Reichstag, Paul-Löbe Haus), mit irrsinnig klaren, kühl-eleganten Foyers und großzügigen Verkehrsflächen, mit vielen geschichtlichen Spuren und einer sehr aufwendigen Ausstattung, die Materialien und die Möblierungen betreffend. Da standen Corbusier-Möbel neben denen von Mies van der Rohe und Eames oder Mario Bellini. Alles großzügige und lichte Architekturen, die schöne Ausblicke auf Gärten, die Spree und das Kanzleramt bieten. Sehr beeindruckend, aber auch erstaunlich leer.
Einen Tag später hat eine Freundin mich durch ihren Arbeitsort Wolfsburg geführt, eine gut funktionierende Planstadt, die gerademal 70 Jahre alt geworden ist und wesentlich interessanter als ihr Ruf. Die Stadtplanungen der 40er und 70er Jahre sowie die heutigen Eingriffe machen Planungsgeschichte sichtbar. Am interessantesten sind jedoch die von Stararchitekten geplanten öffentlichen Gebäude wie die Bibliothek von Alvar Aalto und das Phaeno-Science-Center von Zaha Hadid und natürlich die Autostadt von VW. Im Verhältnis zur Größe der Stadt gibt es hier eine sehr hohe Dichte an herausragenden Gebäuden. Das Theater von Sharoun haben wir dann gar weglassen müssen...
So ist mein Aufenthalt kein neuerlicher melancholischer Versuch geworden, auf meinen alten Spuren zu wandeln. Nein, ich habe noch viel Unbekanntes sehen können.
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Tourist (Gast) - 19. Okt, 00:52

Klingt traurig?

HE Berliner in der Fremde!

Genieße Basel - Atme Berlin.

Gruß,
Dan

Nachtreise - 19. Okt, 17:52

Klar bin ich immer ein wenig traurig, wenn ich in meinem Berlin war. Und es ist merkwürdig, wie man zunehmend Außenstehender wird an einem Ort, den man noch immer so viel besser kennt, als die meisten...
Wahrscheinlich ist es ganz allgemein auch das Vergehen von Zeit, welches dann auffällt. Ich würde auch von Basel nur schweren Herzens fortgehen können, ich habe meine neue Stadt sofort gern gehabt... :)
Etagenprimel - 8. Nov, 23:27

Hans Scharoun

Besserwissen mach ich doch noch am Liebsten und ich will ja, dass du was lernst! Fühl dich umarmt und lass uns bald telefonieren!
Beso ...

Nachtreise - 9. Nov, 17:07

du liebe Primel, du... ;)

Berlin, Basel und ich

Ein Berliner in der Fremde

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