Schweizer im Konzert
Die Saison hat gut begonnen, mit zwei modernen Opern, in Basel "Maldoror" von Philipp Maintz, in Bern "Wut" von Andrea Scattarzini, dann die basel sinfonietta mit ihrem chinesischen Programm "Im Jahr des Tiegers", aber der Höhepunkt bisher war das Konzert "Sacrificium" mit Cecilia Bartoli, in welchem sie Kastratenarien sang, begleitet vom Kammerorchester Basel.
Immer wieder fällt mir auf, dass sich Schweizer an diesen Orten der gesellschaftlichen Begegnung anders verhalten, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Entgegen dem gängigen Vorurteil vom zurückhaltenden und schüchternen Schweizer, klatschen sie gern sehr ausgiebig und begeistert, was bei so aussergewöhnlich beeindruckenden Abenden wie mit der Bartoli schnell in mehrfache geschlossene standing ovations vom gesamten Publikum mündet.
Viel interessanter finde ich aber die Tatsache, dass der sonst so höfliche Schweizer fast immer gegen eine elementare Höflichkeitsregel verstösst, wenn er später zu seinem Sitzplatz geht, als seine weiter aussen sitzenden Sitznachbarn. Schweizer drehen den aufstehenden Personen in ihrer Reihe stehts die Rückseite zu. Sie laufen mit dem Gesicht zur Bühne in die Reihe. In Deutschland gilt das als unhöflich, schlecht erzogen und kulturlos. Hier ist es normal. In seltenen Fällen wird sich für das Aufstehen bedankt, denn da der Schweizer nicht sieht, an wem er vorbeizieht, kann das gleich entfallen. Auch kann die Entschuldigung gespart werden für versehentliche Tritte und Stösse, die um so häufiger erfolgen, da der Schweizer ja nicht dorthin schaut, wo die (menschlichen) Hindernisse sind. Er kehrt Ihnen den Rücken zu und schiebt sich in die Reihe. Auch wenn es hier Konsens zu sein scheint, mich stört es jedesmal und ich empfinde es als unhöflich, obwohl dieser Trend hier alle zu betreffen scheint, ob gebildet oder ungebildet, alt oder jung...
Immer wieder fällt mir auf, dass sich Schweizer an diesen Orten der gesellschaftlichen Begegnung anders verhalten, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Entgegen dem gängigen Vorurteil vom zurückhaltenden und schüchternen Schweizer, klatschen sie gern sehr ausgiebig und begeistert, was bei so aussergewöhnlich beeindruckenden Abenden wie mit der Bartoli schnell in mehrfache geschlossene standing ovations vom gesamten Publikum mündet.
Viel interessanter finde ich aber die Tatsache, dass der sonst so höfliche Schweizer fast immer gegen eine elementare Höflichkeitsregel verstösst, wenn er später zu seinem Sitzplatz geht, als seine weiter aussen sitzenden Sitznachbarn. Schweizer drehen den aufstehenden Personen in ihrer Reihe stehts die Rückseite zu. Sie laufen mit dem Gesicht zur Bühne in die Reihe. In Deutschland gilt das als unhöflich, schlecht erzogen und kulturlos. Hier ist es normal. In seltenen Fällen wird sich für das Aufstehen bedankt, denn da der Schweizer nicht sieht, an wem er vorbeizieht, kann das gleich entfallen. Auch kann die Entschuldigung gespart werden für versehentliche Tritte und Stösse, die um so häufiger erfolgen, da der Schweizer ja nicht dorthin schaut, wo die (menschlichen) Hindernisse sind. Er kehrt Ihnen den Rücken zu und schiebt sich in die Reihe. Auch wenn es hier Konsens zu sein scheint, mich stört es jedesmal und ich empfinde es als unhöflich, obwohl dieser Trend hier alle zu betreffen scheint, ob gebildet oder ungebildet, alt oder jung...
Nachtreise - 13. Nov, 00:08
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frauniepi (Gast) - 13. Nov, 05:55
das finde ich ja mal interessant. ich hab noch nie darüber nachgedacht wie wir das machen, aber tatsächlich, ich würde es auch unhöflich finden.
antworten
Gabriela (Gast) - 13. Nov, 09:32
Tschuldigung!
Darüber habe ich echt noch keine Sekunde nachgedacht. Darüber haben wir ein ganzes Musikstudium lang mit teilweise fast täglichen Konzertbesuchen kein einziges Mal gesprochen. Mich hat es noch nie gestört, dass ich für meinen Innensitznachbarn aufstehen und ihn mit Rück-Sicht an mit vorbei ziehen lassen musste.
Wie spannend, hier immer wieder solche winzig kleine Kulturunterschiedmosaiksteinchen zu finden hier!
Mal schauen, ob ich es fertig bringe, mich nächstes Mal mit dem Rücken zur Bühne auf meinen Platz zu begeben. Irgendwie ist mir die Vorstellung sehr unangenehm.
Darüber habe ich echt noch keine Sekunde nachgedacht. Darüber haben wir ein ganzes Musikstudium lang mit teilweise fast täglichen Konzertbesuchen kein einziges Mal gesprochen. Mich hat es noch nie gestört, dass ich für meinen Innensitznachbarn aufstehen und ihn mit Rück-Sicht an mit vorbei ziehen lassen musste.
Wie spannend, hier immer wieder solche winzig kleine Kulturunterschiedmosaiksteinchen zu finden hier!
Mal schauen, ob ich es fertig bringe, mich nächstes Mal mit dem Rücken zur Bühne auf meinen Platz zu begeben. Irgendwie ist mir die Vorstellung sehr unangenehm.
rebis (Gast) - 13. Nov, 11:10
Wie spannend!
Ich war nie in der Schweiz im Konzert, bin ganz klar deutsch sozialisiert, also mein Leben lang "auf deutsche Weise" durch die Reihen gelaufen. Und was soll ich sagen: sowohl wenn ich laufe als auch wenn ich stehend durchlasse: ich empfinde dieses nahe Gesicht gegen Gesicht, dieses Stoßen von Knie gegen Knie, manchmal sogar von Bauch gegen Bauch als VIEL zu nah, als unangenehm, als Eindringen in meine Intimsphäre - ja, als grauselig! Würde aber eben nie umgekehrt durch die Reihen laufen - bin ja gut sozialisiert :)
Also, Gabriela, falls Du es immer noch ausprobieren möchtest: Mach es lieber in Deutschland, dann bekommst Du als Entschädigung für dieses unangenehme Gefühl (welches Du vermutlich auch haben wirst) wenigstens freundliche Gesichter und vielleicht ein Lächeln der Menschen, an denen Du vorbeiziehst. Weil sie es ja gewohnt sind, das zu erleben, was Du dann tust ...
Lieben Gruß
Uta
Also, Gabriela, falls Du es immer noch ausprobieren möchtest: Mach es lieber in Deutschland, dann bekommst Du als Entschädigung für dieses unangenehme Gefühl (welches Du vermutlich auch haben wirst) wenigstens freundliche Gesichter und vielleicht ein Lächeln der Menschen, an denen Du vorbeiziehst. Weil sie es ja gewohnt sind, das zu erleben, was Du dann tust ...
Lieben Gruß
Uta
des pudels kern (Gast) - 15. Nov, 00:17
hab ich mir noch nie überlegt, dass das kulturspezifisch ist. ich steh nämlich jedesmal vor der reihe und denke, wie jetzt wohl der beste weg ist durchzugehen. geh ich mit dem gesicht zu den sitzenden, komm ich ihnen zu nahe (wie ja auch schon meine vorredner erwähnt haben). geh ich mit dem arsch richtung sitzende, streck ich ihn ihnen entgegen. auch nicht recht...
mal wieder so eine typische situation, von wegen zwischen den kulturen aufgewachsen...
mal wieder so eine typische situation, von wegen zwischen den kulturen aufgewachsen...
Nachtreise - 15. Nov, 15:06
Solche Kleinigkeiten...
...können Wertschätzungen ändern und den Eindruck, den man von einem Fremden bekommt mitprägen. Es ist erstaunlich, wie wenig man sich seiner eigenen Aussenwirkung bewusst ist, man sieht sich nur immer im gewohnten Kontext. Ich weiss eben auch nicht, ob es Schweizern nicht ebenso unangenehm ist, wenn ich auf "deutsche Weise" durch die Reihen schreite...