Mittwoch, 7. November 2007

Helvetismen 1 - Verben

Helvetismen nennen die Schweizer (Staatsbürger der Conföderatio Helvetica) all die Wörter, die weder schweizer Dialektwörter noch nach deutschen Maßstäben hochdeutsche Wörter sind. Das sind also Worte, die nur im schweizer Hochdeutsch vorkommen. Da gibt es sehr nette. Heute mal ein paar mehr oder weniger bekannte Verben.

Eine große Gruppe der schweizer Verben ist z.B. aus nicht originär deutschen Worten mit Hilfe der Endung -ieren geformt. Im Deutschen kennen wir dramatisieren oder verbalisieren. In der Schweiz gibt es eine noch reichere Auswahl.
grillieren (grillen)
parkieren (parken)
hospitalisieren (ins Krankenhaus einweisen)
recyclieren (recyclen)
pressieren (hetzen, unter Druck setzen)

Eine andere Gruppe nutzt einfach eine andere Vorsilbe, um sich in einen Helvetismus zu wandeln, nicht ohne dabei Mißverständnisse in Kauf zu nehmen.
verzählen (nicht etwa falsch zählen sondern erzählen)
verzeigen (anzeigen, z.B. Diebe)

Oder man verändert den Wortstamm bis zur Unkenntlichkeit und streicht Vorsilben und ähnliches einfach weg oder macht gleich eine Wortgruppe daraus.
kehren (nicht fegen sondern wenden - umkehren)
schaffen (nicht hinkriegen, gerade noch erreichen sondern arbeiten)
aufbiegen(nicht etwas verbiegen sondern aufstapeln)
zügeln (nicht bahnfahren sondern umziehen)
versorgen, z.B. Geschirr (nicht füttern sondern wegräumen)
in den Ausgang gehen (ausgehen)

Fortsetzung folgt.
975 mal gelesen
frauniepi - 7. Nov, 08:59

verzählen sagen die wiener auch und in meinem job schlichte ich immer die bücher. darüber hab ich anfangs doch sehr gelacht. sich streitende bücher? tatsächlich ist einfach schichten gemeint, also aufstapeln, wenn nur noch wenige da sind.
immer wieder schön ist auch die diskussion über den artikel zu monat. man sagt: jedes monat, versichert mir aber immer, dass der artikel dazu männlich ist. wie man aus der monat, jedes monat machen kann, weiß ich dann auch nicht.

Nachtreise - 8. Nov, 23:57

Au ja, zu Substantiven und ihren Artikeln werde ich bei Gelegenheit auch nochmal EIN mail schreiben - nicht etwa eine mail.
Schlichten find ich ja ein ganz tolles Beispiel... :)
Nielsson - 9. Nov, 09:08

Der Mail ist ja noch halbwegs ok, wegen "der" Brief. Nur das Email verbietet sich und wird trotzdem häufig verwendet.
Vielleicht aber nicht unbedingt von den Schweizern.

So eine Serie wollte ich auch schon lange mal machen. Bei mir auf einem Blatt. :-)
frauniepi (Gast) - 11. Nov, 17:41

was ich noch erzählen wollte...hab ich vielleicht auch schon...dein job heißt hier kunstvermittler. ganz logisch oder? du vermittelst ja schließlich kunst.

Nachtreise - 11. Nov, 18:36

klingt ein wenig nach Kunsthändler, aber ja, ich sag ja trotz meiner ablehnenden Haltung Anglizismen gegenüber auch lieber Guide statt Führer... Aber, es ist nur ein Teilbereich meiner Aufgaben. Das Museum bezeichnet das insgesamt als Visitor Service, wobei ich dann widerum "Besucherdienste" wie es in den Staatlichen Museen Berlin hieß besser finde. Aber Kunstvermittler klingt toll!
drewshine - 12. Nov, 21:24

pressieren ist bei uns in wien auch gängig. und "verzählen" hab ich im burgenland und in der steiermark auch schon gehört.

bin schon sehr neugierig, wie's mit den helvetismen weiter geht :-)

liebe grüsse aus wien!

Nachtreise - 12. Nov, 23:17

Gruß zurück und keine Sorge: Es wird noch ein paar Helvetismenfolgen geben... ;)

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