Helvetismen 2 - Substantive
Ich bemerke, daß ich immer weniger bemerke und Gefahr laufe, dieser ebenso sprachwissenschaftlich interessanten wie auch unterhaltsamen Kategorie in meinem Blog kaum noch etwas hinzufügen zu können. Ein paar Helvetismen sind ja schon in meinen Sprachgebrauch übergegangen. Sie tummeln sich in meinem überaus gewählten und dialektfreien Hochdeutsch als liebenswerte Eindringlinge und verschleiern mehr und mehr ihre Herkunft.
Das auffälligste Problem bei den Substantiven ist sicherlich die Zuordnung des Geschlechtes und der somit zu wählende Artikel. Mit großer Freude wird alles in der Schweiz versächlicht wie:
das e-mail
das Tram
Es gibt aber auch umgekehrte Fälle, wie
der Marzipan oder
die Nutella (wird erläutert als die Nuß-Nougat-Creme...)
Problematischer wird die Vergabe von Bezeichnungen mit (für Norddeutsche) nicht nachvollziehbaren Wortstämmen, wie:
Velo (Fahrrad, aber das hat man echt schnell drauf)
Schaft (Kleiderschrank)
Tumbler (Trockner)
Bebbi-Säck (ein blauer Sack mit dem Logo der Stadt Basel, in den man seinen Hausmüll füllt und an bestimmten Tagen einfach vor die Tür stellt)
Oder die Verwendung von im Deutschen anders gebrauchten Wörtern:
Estrich (nicht die Ausgleichsmasse für einen Fußboden sondern der Dachboden)
Benz (nicht das Auto sondern ein männlicher Vorname oder aber in Bern auch ein Schaf! Eine tolle Parallele!)
Einige Worte klingen wirklich schön, wie
Nachtessen (bin jetzt paarmal statt zum Abendessen oder Abendbrot zu sowas eingeladen worden und finde, es klingt irgendwie romantischer, intimer),
Lehrtochter (eine Auszubildende, anscheinend mit viel persönlicher Fürsorge).
Verständigungsprobleme gibt es anfänglich auch bei den Wochentagen:
Mänti
Zischdig
Mittwuch
Dunschdig
Frytig
Samschtig
Sunntig
oder den Zahlen.
Viele Vokabeln sind auch dem Französische entlehnt und einige kenne ich auch noch von meinen Großeltern.
Trottoir (für Bürgersteig)
Duvet (für das Deckbett - wer ein solches benutzt schläft nordisch, im Gegensatz zu jenen, die sich zwischen zwei straff gespannte Laken pressen wie in Italien oder Frankreich)
Billet kennt wohl jeder.
Merci und excusée nicht zu vergessen und dann nicht französisch aussprechen, sondern immer schön auf der ersten Silbe betonen, wir sind hier schließlich in der Schweiz!
Besonders wirr wird es bei Lebensmitteln. Das kennen wir ja schon innerhalb Deutschlands bei Brötchen, Wienern oder Pfannkuchen. Die Helvetismen beziehen sich hier aber nicht nur auf regionale Spezialitäten, man hat sich offenbar auch bemüht, alle Gemüsesorten umzubenennen.
Fragt man nach Peperoni bekommt man z.B. Paprika. Will man Peperoni, muß man nach Peperochini fragen. Rote Beete wird hier Rande genannt, die Kartoffel Erdapfel oder Krumbeere, Erdbeeren sind Fraise wie überhaupt alle Beeren irgendwie anders heißen und man sie lieber irgendwo kaufen sollte, wo es Selbstbedienung gibt. Hühnchen ist grundsätzlich nur Poulet, die Roulade ist ein Fleischvogel und wenn das dann mit Stock auf der Speisekarte auftaucht, ist Kartoffelstock, also Kartoffelpürrée gemeint. Eine Stange ist ein Bier, ein Panasch oder Panaschée ein Alsterwasser.
Aber auch die Schweizer machen sich mitunter lustig über deutsche Vokabeln wie z.B. Führerschein. Dem in der Schweiz umgangssprachlich Fahrausweis genannten Papier ist im Deutschen (nach Meinung der Schweizer) die Vorliebe für Führer anstelle von Lenkern anzumerken. Dabei ist für mich ein Fahrausweis eher ein Billet für ein Tram und außerdem: Offiziell heißt die Fahrerlaubnis/Lenkerberechtigung hier Führerausweis. Ha!
Das auffälligste Problem bei den Substantiven ist sicherlich die Zuordnung des Geschlechtes und der somit zu wählende Artikel. Mit großer Freude wird alles in der Schweiz versächlicht wie:
das e-mail
das Tram
Es gibt aber auch umgekehrte Fälle, wie
der Marzipan oder
die Nutella (wird erläutert als die Nuß-Nougat-Creme...)
Problematischer wird die Vergabe von Bezeichnungen mit (für Norddeutsche) nicht nachvollziehbaren Wortstämmen, wie:
Velo (Fahrrad, aber das hat man echt schnell drauf)
Schaft (Kleiderschrank)
Tumbler (Trockner)
Bebbi-Säck (ein blauer Sack mit dem Logo der Stadt Basel, in den man seinen Hausmüll füllt und an bestimmten Tagen einfach vor die Tür stellt)
Oder die Verwendung von im Deutschen anders gebrauchten Wörtern:
Estrich (nicht die Ausgleichsmasse für einen Fußboden sondern der Dachboden)
Benz (nicht das Auto sondern ein männlicher Vorname oder aber in Bern auch ein Schaf! Eine tolle Parallele!)
Einige Worte klingen wirklich schön, wie
Nachtessen (bin jetzt paarmal statt zum Abendessen oder Abendbrot zu sowas eingeladen worden und finde, es klingt irgendwie romantischer, intimer),
Lehrtochter (eine Auszubildende, anscheinend mit viel persönlicher Fürsorge).
Verständigungsprobleme gibt es anfänglich auch bei den Wochentagen:
Mänti
Zischdig
Mittwuch
Dunschdig
Frytig
Samschtig
Sunntig
oder den Zahlen.
Viele Vokabeln sind auch dem Französische entlehnt und einige kenne ich auch noch von meinen Großeltern.
Trottoir (für Bürgersteig)
Duvet (für das Deckbett - wer ein solches benutzt schläft nordisch, im Gegensatz zu jenen, die sich zwischen zwei straff gespannte Laken pressen wie in Italien oder Frankreich)
Billet kennt wohl jeder.
Merci und excusée nicht zu vergessen und dann nicht französisch aussprechen, sondern immer schön auf der ersten Silbe betonen, wir sind hier schließlich in der Schweiz!
Besonders wirr wird es bei Lebensmitteln. Das kennen wir ja schon innerhalb Deutschlands bei Brötchen, Wienern oder Pfannkuchen. Die Helvetismen beziehen sich hier aber nicht nur auf regionale Spezialitäten, man hat sich offenbar auch bemüht, alle Gemüsesorten umzubenennen.
Fragt man nach Peperoni bekommt man z.B. Paprika. Will man Peperoni, muß man nach Peperochini fragen. Rote Beete wird hier Rande genannt, die Kartoffel Erdapfel oder Krumbeere, Erdbeeren sind Fraise wie überhaupt alle Beeren irgendwie anders heißen und man sie lieber irgendwo kaufen sollte, wo es Selbstbedienung gibt. Hühnchen ist grundsätzlich nur Poulet, die Roulade ist ein Fleischvogel und wenn das dann mit Stock auf der Speisekarte auftaucht, ist Kartoffelstock, also Kartoffelpürrée gemeint. Eine Stange ist ein Bier, ein Panasch oder Panaschée ein Alsterwasser.
Aber auch die Schweizer machen sich mitunter lustig über deutsche Vokabeln wie z.B. Führerschein. Dem in der Schweiz umgangssprachlich Fahrausweis genannten Papier ist im Deutschen (nach Meinung der Schweizer) die Vorliebe für Führer anstelle von Lenkern anzumerken. Dabei ist für mich ein Fahrausweis eher ein Billet für ein Tram und außerdem: Offiziell heißt die Fahrerlaubnis/Lenkerberechtigung hier Führerausweis. Ha!
Nachtreise - 12. Dez, 21:14
766 mal gelesen
erdäpfel und andere bezeichnungen für fleisch, gemüse oder obst sind eh klar. eine tüte ist die eiswaffel. sackerl heißt es hier. die erl-endung findet man ebenso überall. kekserl, tascherl, herzerl, weckerl. letzteres ist ein brötchen.
Kommt der Nachbar heraus und fragt: "Hat 'r kei Nattel??"
Und ich: "Häääh?"