Jeder doch, oder? Ja, jeder, bis auf ein kleines Land mit fleißigen Bergmenschen. Aber ich beginne mal anders.
Ich arbeite in Deutschland und wohne in der Schweiz. Das hat auf den ersten Blick vielleicht eher Nachteile. Es gibt aber auch Vorteile.
Neben der Krankenversicherung, in der auch Zahnarztbesuche inklusive sind oder der täglichen Möglichkeit, in Deutschland einzukaufen (vor allem Fleisch ist in der Schweiz mindestens doppelt so teuer), sind es aber auch meine Urlaubstage.Das Museum gönnt mir 30 davon. Hinzu kommen noch die vielen Feiertage, die im katholischen Baden-Württemberg so zahlreich sind, wie in keinem anderen Bundesland Deutschlands. Damit komme ich auf etwa 7 freie Wochen.
In der Schweiz hat man gesetzlich nur Anspruch auf 20 (!) Urlaubstage. Für jeden Deutschen und Franzosen ein hartes Brot. Zudem ist Basel auch noch protestantisch. Es fallen also auch noch mindestens fünf Feiertage weg... Nur einen hat Basel, den Baden-Württemberg nicht hat, das ist der 1. August, der Schweizer Nationalfeiertag.
Nun durften die Schweizer Stimmbürger am vergangenen Sonntag darüber abstimmen, ob sie einen gesetzlichen Anspruch auf mehr Urlaubstage haben wollen. Die Ferieninitiative hat sich für sechs Wochen Ferien eingesetzt. Wie hat die Schweiz mehrheitlich und auch in der französischen Westschweiz, der Romandie, abgestimmt? Für die Beibehaltung der 20 Tage und gegen die Erhöhung. Unglaublich, oder? Unglaublich! Ich bin vor allem von den sonst so liberalen Romands und auch von den Tessinern enttäuscht.
Gewonnen hat die Kampagne die Lobbi, die viel Geld in die Verängstigung der Arbeitnehmer investiert hat. Mit Begründungen, daß die Konkurrenzfähigkeit sinken würde, daß vor allem in der Wirtschaftskriese und als Hochpreisinsel diese Maßnahme die Preise steigen lassen würde und somit die Abnehmer der Produkte verschreckt würden. Damit hätte man am Ende eine Erhöhung der Arbeitslosenzahlen und eine Schwächung der Schweizer Wirtschaft erreicht.
Fazit: Die Schweizer stimmten "vernünftig" ab. Wer hätte das in einem anderen Land gemacht?
Nachtreise - 12. Mrz, 21:13
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... hat heute in einem seltenen Moment ihren dichten Schleier gelüftet und mir eine Möglichkeit gezeigt.
Nun bin ich unruhig und voll freudiger Erwartung.
Nachtreise - 11. Jan, 22:44
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Von Weihnachten bis Sylvester war ich in Berlin. Viel Familie und einige Freunde habe ich gesehen.
Wieder habe ich die übliche Leere der Stadt zu den Weihnachtsfeiertagen beobachtet, wenn all die Rollkoffer aus dem Prenzlauer Berg und Friedrichshain zu den Fernbahnhöfen und Flughäfen der Stadt gezogen worden sind und die Nichtberliner ihren aktuellen Wohnort gen Heimat verlassen haben, ebenso wie die Wiederkehr der Wahlberliner am 27.12. und die Ankunft der Touristenmassen aus ganz Europa. Besonders auffällig in diesem Jahr dien Besucher aus Spanien und Italien. Nach dem Weihnachtskoma verstopft plötzlich wieder feierwütiges Volk S-Bahnen, Cafés und Kneipen. Lächelnd, wissend und wehmütig habe ich auch diesmal wieder dieses Schauspiel beobachtet.
Zunehmend in dem Wissen, dass auch ich Teil der Inszenierung bin, habe ich wie immer vor dem Haus mit meiner (vermieteten) Wohnung gestanden. Diesmal war es weniger grau als bisher. Die Fassade inzwischen geputzt und nahezu alle Fenster ausgewechselt und die Balkone erneuert, sah es freundlicher aus als jemals. Geradezu einladend...
Und wieder regen sich die Flöhe, die der muslimische Freund mir beim letzten Besuch ins Ohr gesetzt hat. Aber welche Perspektiven bietet mir Berlin heute? Die Stadt lockt, wie sie alle lockt mit einer Stimmung von Freiheit, von tolerantem Lebensstil, mit dem Versprechen von Leben. Aber neben Freunden und Familie, der schönen Wohnung und den vertrauten Orten dominieren prekäre Arbeitswelten und Kompromisslösungen.
Die Rückkehr bleibt das Ziel, aber ein Fernziel. Vielleicht eines Tages. Bis dahin ist Basel eine zweite Heimat für mich, die ich bei einer Rückkehr in den Norden mehr und mehr vermissen werde.
Nachtreise - 5. Jan, 22:21
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Bis zum Jahreswechsel auf 2007 habe ich Sylvester stets in Berlin verbracht, nie am Brandenburger Tor, meist in kleiner vertrauter Runde in Köpenick, Mahlsdorf oder Grünau, wo der Blick weiter ist, der Himmel freier und der beglückende Feuerschein der Raketen die entfernten Lärmereien überstrahlt. Einzig zwei Ausnahmen kann ich benennen, den Jahrtausendwechsel an der Ostsee und ein Jahreswechsel in Greifswald.
Seit meinem Umzug in die Schweiz gab es drei Silvesterabende in Basel mit Münstergeläut und städtischem Feuerwerk über dem Rhein, klassisch, besinnlich und voll mystischer Kraft. Im vergangenen Jahr war ich in München und in diesem habe ich das erste Mal Sylvester im Prenzlauer Berg gefeiert. In einer Seitenstraße meiner schönen Wohnung und auf dem Berg beim Wasserturm. Wie erstaunlich, da habe ich viele Jahre im Prenzlauer Berg gewohnt und nie dort gefeiert, erst als Tourist kehre ich zum Jahreswechsel heim in mein Viertel...
Nachtreise - 1. Jan, 22:10
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Den ganzen Dezember habe ich für die letzte große Veranstaltung im Museum gelebt. Zuerst gab es Komplikationen, dann ungewohnte Aufmerksamkeit von Vorgesetzten und Kollegen. Es lief trotz allem harmonisch und angenehm, es folgte die Weihnachtsfeier des Museums und seit diesem Montag nun kaum noch Besucher, kaum noch e-mails oder Anrufe. Keine Bestellungen mehr im Onlineshop des Museums. Dafür: Der erste Schnee dieses Winters.
Dächer und Vorgärten, Autos und mehrere Palmen in den Basler Vorgärten weiß bestäubt. Mein Museum stand einmal weniger auf einer grünen Wiese. Die schwarzen Bäume bilden graphische Muster auf dem leichten, weißen Hintergrund...
Pünktlich zum Wintereinbruch habe ich heute den letzten Tag in diesem Jahr im Museum verbracht und werde morgen noch einige Besorgungen in Basel erledigen, bevor ich am Donnerstag in aller Frühe den Zug in den Norden besteige. Ich werde den "großen Kanton" durchqueren, Zeit zum Musikhören und lesen haben und den Wechsel der Landschaften verfolgen können.
Endlich, nach letzten kurzen Besuchen im Sommer kann ich wieder in meine Hauptstadt einfahren. Berlin ich komme!
Nachtreise - 20. Dez, 21:14
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Seit ich in Basel lebe ist die am schnellsten zu erreichende Metropole für mich Paris. In knapp 4 oder 3,5 Stunden Zugfahrt erreicht man von Basel den Gare de l'Est und kann auf diese Weise am Morgen eintreffen und die Stadt am Abend wieder verlassen. Manchmal empfinde ich es als sehr seltsam, dass Paris oder Mailand schneller erreichbar sind als Berlin. Selbst Venedig ist näher als mein Berlin. Aber Paris schlägt alles. Mit etwas Glück beim Buchen kommt man für 25,- € pro Fahrt nach Paris.
Und ab dem 3. Advent, dem 11.12., wird Paris noch etwas näher rücken. Nur noch drei Stunden Reisezeit!
Allerdings landet man neu am Gare de Lyon... Ich habe gleich mal nachgeforscht und festgestellt, daß dieser Bahnhof noch etwas näher am Pariser Zentrum liegt und ein Restaurant mit Originalausstattung der Belle Epoque besitzt, das schon häufiger als Filmset gedient hat: Das Le train bleu.
Am Basler SBB, wo ich den TGV nach Paris besteige, gibt es ebenfalls ein Cafe mit dem selben Namen. Nun bin ich schon wieder versöhnt und reise also von einem blauen Zug zum nächsten...
Nachtreise - 9. Dez, 11:46
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... und ich bin traurig. Gleichzeitig freue ich mich, dass ich das letzte Buch noch aufgespart habe, wie man sich Schokolade vom Munde abspart oder wie man seine Sonntagskleider wirklich nur am Feiertag trägt. Jetzt weiß ich, da wird nichts nachkommen. Leider.
"Kein Ort.Nirgends." und das "Sommerstück" waren meine Einstiegsdroge, dann kamen die gewichtigeren Werke. Alles Gute und vielen Dank!
Die Süddeutsche hat den Nachruf schon fertig:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/zum-tod-von-christa-wolf-eine-sozialistin-die-im-sozialismus-aneckte-1.1224104
Nachtreise - 1. Dez, 23:43
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Seit Eröffnung der neuen Ausstellung habe ich jeden Samstag irgendeine Veranstaltung ausgerichtet und betreut. Nun, nach sieben Wochen habe ich endlich ein Wochenende mit zwei freien Tagen und bekomme natürlich pünktlich zum Ende der Woche eine schmerzhafte Mittelohrentzündung.
Und was passiert mit so viel freier Zeit? Münchner Freunde sind auf Besuch und auch wenn ich nicht das ganze Programm mitmache, schaffe ich es an diesem strahlenden Sonntag immerhin mal wieder ins St. Albantal, wo Gallerien und kleine Läden einen Tag der offenen Türen organisiert haben. Weihnachtlich elegante Stimmung überall. Außerdem gehen wir ins Museum für Gegenwartskunst und ins Cartoonmuseum, daß gerade israelische Comics zum Thema Liebe ausstellt. Liebe in Zeiten des Terrorismus. Tja, ein Wochenende ohne Museum geht nicht, auch wenn es nicht das meine ist.
Die ernüchternde Erkenntnis: Ich bin krank und süchtig.
Nachtreise - 27. Nov, 16:35
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