Wie in jedem Jahr in Basel bin ich schockiert über den weihnachtlichen Eifer der selbsternannten Weihnachtsstadt der Schweiz. Ich habe heute auf jeder Seite der Mittleren Bücke je einen Weihnachtsbaum gesehen! Seit wann sie da stehen, kann ich nicht sagen, aber dass sie überhaupt heute schon dort stehen, ist erstaunlich genug! Meiner Meinung nach schmückt man erst nach Totensonntag und mal ganz grundsätzlich: Es sind noch 50 Tage bis Heilig Abend!
Nachtreise - 4. Nov, 17:16
Über meine viele Arbeit momentan hab ich vergessen, ein bedeutsames Ereignis hier zu vermelden. Bedeutsam insofern, als dass es zum Teil für deutsche Staatsbürger unverständlich ist. Während die Deutschen am 27. September eine Wahl entschieden, nach welcher eine ostdeutsche Frau zur Bundeskanzlerin, ein Homosexueller zum Außenminister und ein Rollstuhlfahrer zum Finanzminister wurden (was eine nicht zu verachtende Progressivität zeigt), während also die Deutschen zur Wahlurne schritten, taten dies auch die Schweizer. Die vierteljährliche Volksabstimmung behandelte unter anderem die Mehrwertsteuer. Die Schweizer habe an diesem Tag per Abstimmung die Mehrwertsteuer für den Zeitraum 2011 bis 2017 von bisher 7,6% auf 8% angehoben, um die Finanzierung der Invalidenrente zu sichern. Sie haben sich selbst aus freien Stücken für einen höheren Steuersatz entschieden!
Würden Deutsche je so vernünftig entscheiden?
Nachtreise - 31. Okt, 20:30
Letztes Wochenende habe ich trotz meines Dauerstresses im Museum die Einladung zum Ex-Mitbewohner angenommen und war auf seiner Bachelor-Party (Nein, er heiratet nicht, er hat sein Studium beendet). Während also der Abend in angenehmer Gesellschaft aus bereits bekannten und ein paar neuen Gesichtern sich fröhlich entwickelte und in angeregte Diskussionen mündete, wurde mir schlagartig eine Tatsache klar: Der Chorfreund und ich waren die einzigen Deutschen auf dieser Party! Ansonsten nur Schweizer, die auch mit uns nur Mundart sprachen. In jedem Ratgeber für Deutsche Einwanderer in die Schweiz steht es geschrieben: Sollten Sie jemals Zutritt in die Wohnräume eines Schweizers haben und seinen Freunden vorgestellt werden, bedeutet dies den Ritterschlag!Dem nach kann ich nur sagen Ich habe es geschafft! (und nicht zum erstenmal...) :)
Nachtreise - 30. Okt, 14:46
Ganz traurig war ich, als ich gehört habe, dass das letzte Museum auf der Spreeinsel am 17.10. ohne mich eröffnet worden ist. Dabei habe ich 2,5 Jahre dort gearbeitet. Jetzt habe ich von meinem Vater eine Marathon-DVD mit allen Dokumentationen bekommen, die auf 3Sat zum Thema gelaufen sind, ich habe in der ZDF-Mediathek schon einiges verfolgt und nun habe ich den virtuellen Rundgang gefunden:
http://www.neues-museum.de/nm/index.html?r=vestibuel
Man kann sich drehen, nach oben und unten schauen, fast so als wäre man vor Ort. Das macht wirklich Spass! Und vielleicht gehen wir mit dem Kunstgeschichtskleeblatt vor Weihnachten gemeinsam und in real mal hin, oder?
Ausserdem ist Basel kürzlich Opernhaus des Jahres geworden und ich habe nahezu alle entscheidenden Inszenierungen gesehen. Das richtet mich ein wenig auf...
Nachtreise - 27. Okt, 23:06
Angelegentlich meines Referates in einem befreundeten Museum gestern in Zürich habe ich für meinen momentan wegen übermäßiger Arbeit völlig vernachlässigten Haushalt ein Geschenk erhalten.
Die Sammlungsleiterin dort kommt aus Hamburg und in einem unserer ersten Gespräche schimpften wir gemeinsam über den Mangel an Kartoffeln auf schweizerischen Speisekarten.
Jetzt nenne ich ein echtes Designerstück mein eigen, formschön und praktisch, ein Klassiker seit 1948: Der schweizer
Kartoffelschäler namens REX. Aber der meine ist vergoldet!
Nachtreise - 22. Okt, 21:53
Die letzten zwei Tage habe ich anstatt in meine angestamten berliner Cafés und Kneipen zu gehen und meinem Leben hier nachzutrauern viel Zeit in zeitgenössischer Architektur verbracht.
Ein Freund ermöglichte mir ein Mittagessen und eine Tour durch die Gebäude des Bundestages (Lüders-Haus, Jakob-Kaiser-Haus, Reichstag, Paul-Löbe Haus), mit irrsinnig klaren, kühl-eleganten Foyers und großzügigen Verkehrsflächen, mit vielen geschichtlichen Spuren und einer sehr aufwendigen Ausstattung, die Materialien und die Möblierungen betreffend. Da standen Corbusier-Möbel neben denen von Mies van der Rohe und Eames oder Mario Bellini. Alles großzügige und lichte Architekturen, die schöne Ausblicke auf Gärten, die Spree und das Kanzleramt bieten. Sehr beeindruckend, aber auch erstaunlich leer.
Einen Tag später hat eine Freundin mich durch ihren Arbeitsort Wolfsburg geführt, eine gut funktionierende Planstadt, die gerademal 70 Jahre alt geworden ist und wesentlich interessanter als ihr Ruf. Die Stadtplanungen der 40er und 70er Jahre sowie die heutigen Eingriffe machen Planungsgeschichte sichtbar. Am interessantesten sind jedoch die von Stararchitekten geplanten öffentlichen Gebäude wie die Bibliothek von Alvar Aalto und das Phaeno-Science-Center von Zaha Hadid und natürlich die Autostadt von VW. Im Verhältnis zur Größe der Stadt gibt es hier eine sehr hohe Dichte an herausragenden Gebäuden. Das Theater von Sharoun haben wir dann gar weglassen müssen...
So ist mein Aufenthalt kein neuerlicher melancholischer Versuch geworden, auf meinen alten Spuren zu wandeln. Nein, ich habe noch viel Unbekanntes sehen können.
Nachtreise - 11. Okt, 10:03
Berlin ist mal wieder überraschend. Nachdem wir in Basel am vor wenigen Tagen noch 30°C hatten, ging ich zwei Tage später in Berlin bei gerade mal 4°C aus dem Haus. Es ist ein wenig herbstlicher hier. Aber was für eine Luft! Wegen der umliegenden Berge ist Basel häufig am Morgen etwas diesig und nur selten windig. So klare Luft und so hartes Licht wie in Berlin an solch kalten Tagen gibt es in Basel nie. Dabei ist das eine so besonders schöne Wetterlage!
Nachtreise - 9. Okt, 09:56
Das Museum vereinnahmt mich. Der Monat schreibt sieben vergangene Tage, meine Arbeitsstunden weisen neun gearbeitete Tage aus, obwohl ich doch einen Tag von den sieben frei hatte? Kann sich jemand denken, wie so etwas passiert? Ich rate jedem, sich möglichst nie auf eine Stellenteilung einzulassen. Man beginnt freiwillig am Wochenende zu arbeiten und schämt sich für freie Tage. Langsam kommt Land in Sicht und eine große Freude: Ich mache eine Stippvisite in der Heimat (ein Begriff, den ich früher nie so verwendet hätte), ich fahre für ein kurzes Wochenende nach Berlin!
Nachtreise - 7. Okt, 23:30