Berlin - Basel
Wie immer war mein Besuch in Berlin viel zu kurz. Immerhin konnte ich zwei Freundinnen wiedersehen, die ich 2 bzw. 3 Jahre nicht mehr gesehen habe. Dabei sind drei Stunden zum Austausch über die Geschehnisse der letzten Monate und Jahre viel zu kurz. Mittlerweile muß für ein solches Zweiergespräch locker mit 4 Stunden gerechnet werden... Ach ja. Und darüber muß man wieder andere vernachlässigen. Schändlich vernachlässigen...
Aber es gibt weitere Hoffnungen. Mehr und mehr kehren die Exilanten in die Hauptstadt zurück. Nachdem die große Freundin aus Frankfurt wieder in Berlin anzutreffen ist hat sich nun auch die mexikanische Freundin zur Rückkehr entschlossen. Ob auch mir diese Tür einmal wieder offen steht?
Nachtreise - 29. Dez, 17:10
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Na? In welcher Stadt bin ich wohl? In Basel? Eher nicht. Nicht nur die Unmengen Schnee, auch das Datum weist auf Berlin hin.
Als ich in der Nacht in Berlin ankam, war ich völlig überwältigt von all dem vielen Schnee. Der Hauptbahnhof total eingeschneit! Die Frankfurter Allee fast nicht geräumt! Schnee auf den Fahrbahnen selbst der größten Straßen der Stadt!
Bei meinen Eltern draußen sind die Straßen vor lauter Schnee nur noch einspurig, das Begegnen wird schwierig. Fahrzeugbesitzer, die ihr Auto seit dem letzten Wochenende nicht bewegt haben, werden es so schnell nicht mehr unter den Schneehaufen herausmanövrieren können. Die Gehwege sind zu Schützengräben mutiert, in denen man hintereinander gehen muß und die beidseitigen Schneeaufschüttungen bis zur Hüfte reichen, an einigen Stellen sind diese Wälle sogar so hoch wie die Zäune selbst! Meine Mutter jedenfalls verschwindet stellenweise dahinter...
Morgens werden in den Nachrichten die drei S-Bahnlinien genannt, die noch nach Plan fahren, alle anderen fahren im halben Takt (nur alle 20 min) oder irgendwie geradeso...
Das nenne ich Winter!
Nachtreise - 21. Dez, 19:26
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Während in Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz wiedermal Schneechaos und Glatteis die Verkehrsnachrichten prägen, haben wir in Basel nicht einmal Nieselregen. Unser Schnee der vergangenen Woche ist getaut, die klirrende Kälte mit frostiger Sonne und weisser Glitzerdecke ist wieder aus Basel verbannt... Der "Winter" hier ist mit ewigen 5°C wieder normal. Leider...
Nachtreise - 9. Dez, 21:02
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Seit Donnerstag Abend schneit es in Basel und es schneit noch immer. Morgen am ersten Advent wird zumindest auf Wiesen und Dächern der Schnee so wunderbar erhalten bleiben. Haben meine Beschwerden wegen der Schneelosigkeit der letzten Winter hier gewirkt? Mich macht diese weisse Helligkeit sehr froh... Heute haben auch die Kruzianer schon ihre erste Runde auf meinem Plattenteller drehen dürfen...
Nachtreise - 27. Nov, 22:29
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Seit einer Woche steht auf dem Marktplatz in Basel ein geschmückter Weihnachtsbaum. Übermorgen werden feierlich die festlichen Lichter der Weihnachtsstadt Basel eingeschaltet und der stadtumfassende Weihnachtsmarkt eröffnet!
Im Vergleich zu Berlin kommt mir hier immer alles sehr früh vor...
Aber, es hebt die Stimmung in diesen grauen Tagen...
Nachtreise - 22. Nov, 21:54
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Es ist November, nicht gerade mein Lieblingsmonat. Mir graut vor dem Winter in Basel, der nie richtig kalt ist, der eher feucht ist, nie so klar wie in Berlin und nie so sonnig. Und doch gab es ein Wochenende, das vergangene, an welchem man nur im Hemd durch die Weinberge gehen konnte, letzte Trauben naschen und Sonne tanken. Und heute dann, ein Montag so grau und dunkel, dass man sofort weiss: Diese zwei vergangenen Tage waren nur ein letztes Aufbäumen.
Also Kopf einziehen, den Schal enger gezogen und die Jacke dicht geschlossen, Kerzen auf den Tisch und ein gutes Buch in die Tasche. Es wird dunkel sein, wenn ich heute nach hause komme.
Immerhin ein Lichtblick, ich sehen heute die Vorpremiere des Films: Der letzte schöne Herbsttag!
Nachtreise - 15. Nov, 15:11
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Ab in den Norden! Heute Abend werde ich endlich mal wieder in der grossen Stadt sein! Und ich freue mich!
Nachtreise - 20. Okt, 09:21
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Am Freitag wurde es bekannt gegeben: Das Theater Basel ist Opernhaus des Jahres! Damit hat es diesen Titel unter allen Häusern im deutschsprachigen Raum zum zweiten Mal in Folge! Während der Liveübertragung von Aida am Rhein gestern Abend im Schweizer Fernsehen konnte diese Auszeichnung bereits besprochen werden. Welch ein Triumph. Und ich freue mich sehr für Basel! Vor zwei Jahren war es die Komische Oper in Berlin, jetzt mein hiesiges Theater und die Mehrheit der Inszenierungen habe ich sogar gesehen...
Es ist amtlich: Was die Oper angeht muss ich hier nicht darben. allerdings wird der Operndirektor nach Ende seines Vertrages in Basel nach Berlin gehen...
Nachtreise - 3. Okt, 03:04
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Ich habe einen Quartiersladen im Nachbarhaus. Dort wohnt mehr oder weniger eine kroatische Familie, nach der Tochter Valentina haben sie den Laden benannt. Es gibt im Hinterzimmer einen Fernseher und die Kinder spielen oft vor dem Laden, bemalen den Gehsteig mit Kreide oder essen Süssigkeiten. Ich habe schon gehört, dass sich die gerade schulpflichtigen Mädchen über Schönheitsoperationen unterhalten haben. Leider haben sie die unregelmässigen Zähne der Mutter geerbt...
Im Laden gibt es Milch und Eier und Brot und alles was man so vergessen kann, auch Getränke und Süssigkeiten. Draussen schreiben sie auch etwas von Geschenkartikeln und man fragt sich, ob sie damit die Kartoffeln oder die Feuerzeuge meinen. Jedenfalls gibt es löblich wenig Alkohol und Tabakwaren.
Heute gehe ich die Strasse runter und sehe ein lustiges buntes Schild quer auf dem Bürgersteig stehen. Und Luftballons und einen Sonnenschirm vorm Laden. Eine Feier denke ich und schaue auf das Schild, wer wohl Geburtstag hat. Darauf steht in bunten Buchstaben: Rausverkauf. Das ende. Alles muss raus und ähnliches mehr.
Die Eröffnung eines Coop in unmittelbaren Nähe am Bahnhof St. Johann, der ungewöhnlich lange, nämlich bis 20 Uhr geöffnet hat, hat ihre Geschäftsidee kaputtgemacht. Seit weniger als einem Jahr gibt es die Konkurrenz, seit über einem halben Jahr hat der Laden das Angebot reduziert und die Mutter scheint nicht mehr da zu sein. Die Öffnungszeiten hatten sie noch mal von 22 bis 24 Uhr hinausgeschoben, aber das braucht in der Schweiz niemand. Vater Valentina bewirtschaftet den Laden allein und nun wird er geschlossen. Man kann nur hoffen, dass Mutter Valentina inzwischen irgendwo als Angestellte arbeiten kann. Valentina ist der ersten von drei Quartiersläden, der schliesst.
Dafür haben zwei Kindergärten eröffnet, die mit ihrer Englischsprachigkeit auf die Kinder der Novartisangestellten abzielen. Segregation. Das kenne ich doch schon aus dem Prenzlauer Berg, meinem Quartier in Berlin.
Nachtreise - 23. Aug, 20:58
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Grundsätzlich fühle ich mich ja noch immer als Berliner und wenn ich hier davon spreche, wie es "bei uns" läuft, beziehe ich mich damit immer auf meinen Lebensmittelpunkt, wie es ihn bis vor drei Jahren gegeben hat.
Zum Geburtstag war nun endlich einmal die ganze Familie mit Eltern und Schwester in der Schweiz beisammen und im Vorfeld haben wir uns auf die Spuren der Vorfahren begeben. Viel bleibt nicht von ihnen. Geburtsurkunden, Sterbescheine, Hochzeitsdaten. Immerhin läßt sich mein namensgebender Familienteil bis 1779 zurückverfolgen mit Namen und Wohnorten, wobei das Emmental um Trachselwald und Langnau mehreren Generationen Heimat bot. Auch mein Großvater hat hier gelebt, bevor er mit knapp 20 Jahren 1919 nach Pommern ausgewandert ist, um der damaligen Armut der schweizer Bergwelt zu entgehen. Pommern und Westpreußen, wo sich die Großelternpaare fanden, sind von der Geschichte fortgefegt und so konnten sich meine Eltern in Mecklenburg treffen und schließlich vor meinem Auftritt nach Berlin ziehen. Und nun lebe ich, der ich mich immer als Berliner und zumindest als Norddeutscher fühle, nur eine Stunde vom Ursprungsort eines meiner vier Großeltern entfernt. Und schön ist es dort. Auch wenn der rauhe Norden mit Meer und Wind, flacher Landschaft und weitem Blick noch immer mein Sehnsuchtsort ist, so ist es auch schön, hier weit entfernt von dem gewohnten und liebgewonnenen ein Haus gefunden zu haben, welches friedlich am Berghang über saftig grüne Wiesen schaut und in welchem vielleicht Teile von mir einmal zuhause waren.
Seltsam und gut zugleich.
Nachtreise - 8. Aug, 22:00
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